Mit Hingabe und Begeisterung

IMG_7121_blogDeutsch-polnische Volleyball-Leidenschaft

Von Nico Kielbasa, Zürich

 

Vor dem ersten Spiel zwischen Italien und Polen am Dienstag vermag sich die Halle nur langsam zu füllen. Der Playoff-Tag, an dem die letzten Viertelfinaltickets vergeben werden, zieht beim Schweizer Publikum nicht. Nur die Polen erscheinen in Scharen und versuchen, ihrer eigenen Mannschaft mit „Polska“-Rufen zum Glück zu verhelfen. Doch die stolze Volleyball-Nation unterliegt nach einer schwachen Leistung Italien mit 0:3 (22:25, 22:25, 13:25) und die Kibice packen ihre an Regenschirme befestigten, rot-weissen Fahnen enttäuscht wieder ein. Es sind die Italienerinnen, die den Titelverteidiger Serbien im Viertelfinale herausfordern dürfen.

Dieses Spiel gesehen hat auch ein Volleyball-Fanatiker aus Stuttgart, mit dem ich am Dienstag mehrmals ins Gespräch kommen durfte. Schon die erste Begegnung war dabei beeindruckend. Am Stand des Sportmuseums Schweiz erklärte er mir, er sei direkt aus Halle/D nach Zürich gekommen, um sich hier einen neuen EM-Standort (Groundhopping!) anzuschauen und dass er am Wochenende schliesslich noch nach Berlin fliege, um die deutschen Mädels hoffentlich im Final Four um den EM-Titel spielen zu sehen. Schon aus diesen ersten Sätzen spürte ich eine absolute Volleyball-Begeisterung heraus. Seine Meinungen zu den einzelnen Mannschaften, zu Spielweisen und Taktik waren derart fundiert, dass ich mir sicher sein konnte, einen wahren Experten vor mir stehen zu haben.

Nach dem ersten Spiel treffe ich diesen Mann wieder, dieses Mal mitten im Foyer des Hallenstadions. Natürlich frage ich ihn sofort nach seinem Befinden nach der polnischen Niederlage. Enttäuscht sei er gewesen ob des Auftretens der Polinnen, aber auch ob der uninspirierten Spielweise Italiens und dem Zuschaueraufmarsch in Zürich, den er deutlich grösser erwartet hatte. Als wir dann über das zweite Tagesspiel, Tschechien-Frankreich, ins Gespräch kommen, spüre ich erneut die geballte Ladung an Fachkompetenz. Die Tschechinnen hätten ein junges Team, das noch Geduld brauche und die Französinnen selbst hätten eine heimische Liga auf bescheidenem Niveau. Es waren allesamt fundierte Aussagen, die mich stutzig machten. In der ganzen Woche hatte ich nämlich noch niemanden getroffen, der so glaubhaft eine Leidenschaft für einen Sport lebt und mehr weiss, als einen dieser ausgelutschten EM-Facts, z.B. dass die Italienerin Valentina Diouf (2,02 Meter gross) unglaublich harte Bälle übers Netz schlagen kann. Ich war beeindruckt und fühlte mich als VOLLEY CULTURE-Vertreter diesem Mann im Geiste verbunden.

Aus Dankbarkeit für die tollen Gespräche mit dem Herrn aus Stuttgart, suchte ich ihn noch einmal mit allen Ausstellungsunterlagen (Flyer, Texte, Poster) auf. Nun zeigte er sich begeistert ob der Plakatausstellung zur Weltkultur des Volleyballspiels. Er sei schon sehr früh beim Stadion gewesen und hätte als allererstes die tollen Bilder gesehen. Sie hätten ihn an eine Bilderreihe zu Volleyballfeldern aus der ganzen Welt im deutschen „Volleyball-Magazin“ von vor ein paar Jahren erinnert. Er beglückwünschte uns herzlich zur Ausstellung und wir unterhielten uns über den Volleyball als interkulturelles Phänomen. Nachdem er letztlich noch seine Besorgnis über den Ausgang des Spiels Niederlande-Kroatien, in dem der Gegner der Deutschen eruiert wurde, zum Ausdruck brachte, verabschiedeten wir uns mit den besten Wünschen voneinander.

Die Begegnung mit diesem überglücklichen Volleyballbegeisterten war ein persönliches Schlüsselerlebnis. Es hat mir gezeigt, dass wir mit der VOLLEY CULTURE-Ausstellung bei einem Besucher einen absoluten Nerv getroffen hatten. Die Liebe dieses Mannes zum Spiel, dem er seit München 1972 mit Hingabe und Begeisterung seine ganze Zeit widmet, hat mir vor Augen geführt, was gelebte Volleyballkultur ist!

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