Ogis Prophezeiung oder Wenn Deutschland heute gewinnt, finden die Olympischen Spiele nicht in Brasilien statt!

In seiner Sportkultur-Kolumne berichtet unser Museumsleiter Gregor Dill regelmässig aus unserem Museum.

Nr. 9: Ogis Prophezeiung

Zugegeben, es waren ein paar Schwergewichte da, als die Schweizer Botschaft in Berlin am 13. Juni unter dem Motto „60 Jahre Wunder von Bern“ zur Sommerparty lud. Wowereit zum Beispiel, der Regierende. Oder Steinmeier, der Aussenminister. Auch der Sportkulturkolumnist war da, weil für die dortige Ausstellung zuständig, und UBS-Verwaltungsratspräsident Weber, der in seiner Grussrede statt „Fussballweltmeisterschaft“ immer „Fussballnationalmannschaft“ sagte, was zu komischen Sätzen führte und einstimmte auf das, was danach kam: Adolf Ogi.

Unser alt Bundespräsident drehte voll auf. Wort und Gestik grenzten an eine Karikatur seiner selbst. Mit erhobener Faust donnerte er pathetisch: „Der Sport ist die Schule des Lebens!“ Tosender Applaus.

BeloHorizonte_26_06_2013

Später dann, zu vorgerückter Stunde, trat Ogi ein zweites Mal auf. Und zwar im Rahmen einer Podiumsrunde, an der sich auch der Schauspieler Peter Lohmeyer („Das Wunder von Bern“) beteiligte. Nachdem Lohmeyer erklärt hatte, weshalb er als Filmvater mit seinem Filmsohn vom Ruhrpott kurioserweise via einen Alpenpass nach Bern gelangte (sie kamen von der Route ab, die Szene, die das zeigt, wurde aber rausgeschnitten), zeigte sich Ogi von einer ganz anderen Seite. Auf die Frage hin, wie er die soziale Situation in Brasilien einschätze, wo die Dampfwalze FIFA Wohngebiete und Fussballsubkulturen platt gemacht hatte, prophezeite er emotionslos und auf einen kürzlichen Aufenthalt vor Ort rekurrierend, dass, werde der Gastgeber nicht Weltmeister, die Olympischen Spiele 2016 auf Grund zu erwartender sozialer Unruhen nicht in Brasilen stattfinden würden.

Ogis Prophezeiung toppte den Kantersieg der Holländer über die Spanier als Gesprächsthema des Abends. Den Sportkulturkolumnisten freut es. Ogis Aussage unterstrich nicht nur, dass die derzeitige Ausstellung Copa>Demo>Video>Stream, die des Kolumnisten Haus zur Zeit im Basler Hinterhof zeigt, ins Schwarze trifft. Es erinnert ihn auch an die WM 1966, als Brasilen in der Vorrunde ausgerechnet an Portugal gescheitert war, was in Rio und São Paulo wüste Strassenschlachten zur Folge hatte. In Reaktion darauf setzte das Brasilianische Parlament damals eine Untersuchungskommission ein, die allerdings nichts über die sozialen Hintergründe der Revolten herauszufinden zu hatte, sondern sich ausschliesslich der Frage widmete, wie man ausgerechnet gegen Portugal verlieren konnte.

münchen 74 Odermatt

PS: 1966 mit dabei war auch Karli Odermatt. Das Bild stammt allerdings aus dem Paninialbum von 1974, wo es aus rein marketingtechnischen Gründen Aufnahme fand, denn die Schweiz war für die Endrunde in Deutschland gar nicht qualifiziert. Schon damals regierte der Mammon.

 

 

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