Montys Mantel

In seiner Sportmuseum-Kolumne berichtet unser Museumsleiter Gregor Dill regelmässig aus unserem Museum.

Nr. 12: Montys Mantel

Dufflecoat Montgomer

Die Skisaison ist in vollem Gange. Zeit um über den Dufflecoat zu sprechen. Was ist ein Dufflecoat? Der Dufflecoat ist eine Ikone männlicher Oberbekleidung. Wie der Parka oder die Jeansjacke. Eigen sind ihm seine Dreiviertellänge, der schwere Wollstoff und die auffälligen Knebelverschlüsse aus Holz oder Horn. Heute gross in Mode.

Was, bitte sehr, hat der Dufflecoat mit Skifahren zu tun? Geduld, Thomas (Th. Ditzler, Redaktor Volksstimme, Anm. d. Red.), es bleiben noch gut 2’100 Zeichen!

Der Dufflecoat ist durch eine bestimmte Person berühmt geworden. Humphrey Bogart hatte 1942 als Rick Blaine in „Casablanca“ den Trenchcoat lanciert, Marlon Brando 1953 als Johnny Strabler in „Der Wilde“ das Biker Jacket, James Dean 1955 als Jim Stark in „… denn sie wissen nicht, was sie tun“ die Collegejacke und Robert de Niro 1976 als Travis Bickle in „Taxi Driver“ die Feldjacke. Der Dufflecoat wurde nicht von einer Filmfigur portiert sondern von einem Kriegshelden. Von Feldmarschall Bernard „Monty“ Montgomery, Bezwinger Erwin Rommels in Nordafrika und Oberbefehlshaber über die alliierten Bodentruppen bei der Operation Overlord in der Normandie (D-Day). Die Häufigkeit, mit der sich Montgomery in einen Dufflecoat hüllte, war gleich gross wie sein Heldstatus, woraus resultierte, dass der Mantel heute in England unter der Bezeichnung „Monty Coat“ oder kurz „Monty“ über den Ladentisch geht.

Und jetzt kommt’s: Nach dem Krieg weilte Monty winters als Tourist in Mürren, wo er sich gerne mit einer schweren prototypischen Dufflecoat-Variante schmückte (Bild). Er präsidierte dort stolz den britischen Kandahar Ski Club. Dessen Gründer hatten schon vor dem Ersten Weltkrieg unter dem Motto „Downhill Only“ das alpine Skifahren erfunden, 1921 am Laubernhorn die erste Abfahrt organisiert, ein Jahr später in Mürren den ersten Slalom gesteckt, hierfür Regeln festgelegt, die später von der FIS übernommen wurden, 1928 in St. Anton das erste Arlberg-Kandahar-Rennen durchgeführt, das es unter diesem Namen heute noch gibt, 1931 in Mürren die ersten Ski-WM durchgeführt, wo die Briten die Hälfte aller Goldmedaillen einsackten, und 1936 in Garmisch-Partenkirchen die ersten olympischen Skirennen arbitriert, die von den Schweizer Männern boykottiert wurden, weil unsere Skilehrer als Profis nicht zugelassen waren. Blödes IOC.

Treibende Kraft beim Kandahar Ski Club war übrigens der britische Schriftsteller Sir Arnold Lunn gewesen, Sohn eines Reiseunternehmers, dessen Firma heute TUI heisst.

Wer Monty 1949 in Mürren aus der Bergbahn steigen sehen will, diesen Mantel tragend, der klicke auf diesen Link.

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