Sportkolumne 15.07.2016 – Volksstimme: Bud Spencer und Co.

20160715_volksstimmekolumneIch lag in meinem VW-Bus auf den Klippen über Praia Amado in Carrapateira, dem
Surfer-Mekka am südlichen Ende der portugiesischen
Westküste, als mich die Nachricht vom Tod Carlo Pedersolis erreichte. Dass der
italienische Filmstar, bekannt unter seinem Künstlernamen Bud Spencer, auch ein guter Schwimmer war, blieb in den Nachrufen nicht unerwähnt: Mehrfacher Landesmeister, Olympionike und erster Italiener, der die 100Meter Freistil unter einer Minute schaffte. Spencer ist in guter Gesellschaft. Zahlreiche Spitzenschwimmer tummeln sich in den VIP-Bereichen. Hier die Top 7: Der Bekannteste ist Johnny Weissmuller. Bevor der Schauspieler Tarzan weltberühmt machte, hatte er 51 Weltrekorde gebrochen, an Olympischen Spielen fünf Mal Gold gewonnen und sich als erster Mensch, der über 100 Meter die Minutenmarke knackte, unsterblich gemacht. Der US-Amerikaner mit deutsch-ungarischem Migrationshintergrund war auch ein begeisterter Jodler, was im Tarzanschrei seinen Niederschlag fand. 1924 in Paris gewann Duke Kahanamoku hinter Weissmuller Silber. Der Freistil-Olympiasieger von 1912 und 1920 ist der Begründer des modernen Wellenreitens. Der Surfer-Gott aus Hawaii hatte bereits um die Jahrhundertwende die ersten Boards gebaut. Jeder echte Surfer kennt Duke Kahanamoku, nach dessen Spitznamen «Big Kahuna» der Burger-Schuppen
in Tarantinos «Pulp Fiction» benannt ist. Auf nationaler Ebene ist Philipp Hildebrand zu nennen, der ehemalige Präsident der Nationalbank. In den 1980er-Jahren gewann er zwei Schweizer-Meister-Titel. Alex Miescher, General sekretär des Schweizerischen Fussballverbands, war fünffacher
Schweizer Meister und von 1990 bis 1993 Kapitän der Schwimm-Nationalmannschaft. Jacqueline Fendt gehört ebenfalls auf die Liste. Die ehemalige Direktorin der Expo.02 hatte bereits im jugendlichen Alter die Schweizer Freistil-Szene nach Belieben dominiert. Joe Jimenez, der Chef von Novartis, trainierte während seiner College-Jahre mit Erfolg sechs Stunden am Tag unter der Fuchtel eines Trainers, dessen Methoden auf den
Erfahrungen eines US-Marine-Soldaten fussten. Jimenez schwimmt noch heute in seiner hauseigenen Gegenstromanlage. Wäre der Sportkulturkolumnist 1956 in Melbourne angetreten, wo er Carlo Pedersoli
angetroffen hätte, und wäre es ihm dort gelungen, seine 1985 erzielte Bestzeit über 200 Meter Delfin zu egalisieren, er wäre Olympiasieger
geworden. Sehr hypothetisch. Denn die Schweiz hatte Olympia wegen des niedergeschlagenen Ungarn-Aufstands boykottiert. Ob sich auch unter den abgebildeten vier Frauen eine VIP befindet, wissen wir nicht. Das Foto ist leider unzureichend erschlossen. Gregor Dill

Die Kolumne erschien in der Volksstimme vom 15. Juli 2016

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