Volksstimme – 18.05.2017

Anbei findet ihr die Kolumne von unserem Museumsleiter Hans-Dieter Gerber,
die einmal im Monat in der Volksstimme erscheint. Letzte Woche schrieb er über den besten Baselbieter Schwinger Vogt Peter.

 

«Wir waren dummi Cheibe»

Schwingerkönig Vogt Peter 1948 in der Sportzeitung TIP. Bild: Sportmuseum Schweiz

Die Schwinger-Saison steht vor der Tür und am 20./21. Mai 2017 findet in Muttenz der 65. Basellandschaftliche Kantonal-Jungschwingertag und das 1. Wartenbergschwinget statt. Aus diesem Anlass sei ein Rückblick auf den besten Baselbieter Schwinger aller Zeiten gestattet.

Vogt Peter erlernt den Sport im Schwingkeller von Muttenz und gewinnt 1940 als 16-jähriger seinen ersten Kranz am Kantonal-Schwingfest. Am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (ESAF) 1945 in Bern traut man ihm einiges zu. Die Zeitung SPORT charakterisiert Vogt „als gefürchteten Raufer, dem an einem guten Tag die verwegensten Sachen zuzutrauen“ sind. Er sei „ein Kämpfer, ein Techniker, ein naturstarker Bursche wie es nur wenige gibt.“ Nach guter Leistung qualifiziert er sich für den Schlussgang gegen Lardon Willy. Das Kampfgericht bricht aber den „farblosen und flauen Gang“ wegen Passivität der Schwinger ab und erklärt keinen der beiden zum Schwingerkönig. So fällt statt des sportlichen Wettkampfs die Kleiderordnung im Festführer ins Auge: „Das Tragen von Golfhosen durch Kampfrichter ist unerwünscht.“

Am ESAF 1948 in Luzern vor 20’000 Zuschauerinnen und Zuschauern klappt es schliesslich. Nach schwachem Beginn kämpft sich Vogt in den Schlussgang gegen Haldemann Walter. Zwar mangelt es der schwingerischen Arbeit „an Salz und Pfeffer“, doch kann Vogt seinen Gegner mit Bodenhüfter überdrücken und sich den Titel erkämpfen.

Die Serie wenig überzeugender Schlussgänge setzt sich auch am ESAF 1950 in Grenchen fort. Vogt erreicht als Favorit erneut den Schlussgang. Doch der Kampf gegen den Zürcher Unterländer Flach Walter ist eine Enttäuschung. „Aus unerklärlichen Gründen versagen die beiden Schwinger“ und ziehen den Zorn des Obmanns Bärtschi Walter auf sich. Dieser ermahnt sie mehrmals „zum Schaffen“ und bricht schliesslich den Kampf nach 30 ereignislosen Minuten ab. Wegen „mangelndem Kampfgeist“ wird kein Schwingerkönig ausgerufen. Vogt hat nun gleichviele Punkte wie Haldemann Walter, der den ersten Preis erhält, obwohl er den Schlussgang nicht erreicht hat. Vogt ist enttäuscht und „zerreisst bei der Siegerehrung im heiligen Zorn den Kranz“. Darauf wird Vogt für ein Jahr für sämtliche Schwingfeste gesperrt. Zu Flach entwickelt sich eine unerbittliche Rivalität. Die zwölf Kämpfe in den folgenden Jahren enden nur einmal mit einem Sieger: Flach gewinnt das Duell 1952 am Kilchberger Schwinget. Angesprochen auf die Rivalität meint der 75-jährige Flach 2004: «Wir waren dummi Cheibe. Aber so war das damals, alles wurde viel ernster genommen.»

www.bl-jungschwingertag.ch

Von Hans-Dieter Gerber, Co-Leiter Sportmuseum Schweiz

 

 

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