Ferdi Kübler vor dem Rhônegletscher, 1947: Sieger Solofahrt Bellinzona - Sitten

Im richtigen Moment abgedrückt

Das Sportmuseum hat das Archiv des Fotografen Walter Schweiwiller übernommen

Damit wandern über 17'000 Fotografien von Zürich nach Basel. Der Freundeverein des Sportmuseum Schweiz leistete einen finanziellen Beitrag an den Erwerb des Archivs des renommierten Schweizer Sportfotografen.

Die Fotosammlung Scheiwiller umfasst insgesamt 17'000 Einheiten und setzt sich aus 15'000 Fotonegativen auf Film, 500 Glasplattennegativen und etwa 1'800 Fotopositiven zusammen. Die Bilder zeigen herausragende Aufnahmen aus der Geschichte des Schweizer Sports im 20. Jahrhundert. Scheiwiller antizipierte die Bewegungen der Athletinnen und Athleten hervorragend und betätigte jeweils im richtigen Moment den Auslöser: Auf seinen Bildern befindet sich die Weitspringerin am höchsten Punkt, der Hürdenläufer in perfekter Haltung über der Hürde, der Torwart im Flug bei der Ballabwehr oder wie oben Ferdi Kübler vor dem Rhônegletscher. Seine Bilder wurden u. a. im Tages-Anzeiger, in der NZZ, im Sport, im Tip sowie in ausländischen Zeitungen veröffentlicht und decken das Sportgeschehen in der Schweiz über mehrere Jahrzehnte bis ca. 1980 ab. Schwerpunkte sind dabei Leichtathletik (u. a. Weltklasse Zürich), Fussball (u. a. Grasshopper-Club Zürich, Schweizer Nationalmannschaft) und Radsport (u. a. Tour de Suisse).

Walter Scheiwiller wurde am 19.7.1922 in Oelsnitz (Deutschland) geboren. Von 1939-1942 machte er bei Foto Zumbühl in St. Gallen eine Fotografenlehre und arbeitete 1942-1945 bei der Fotoagentur Photopress Zürich. Ab 1946 war Scheiwiller als selbständiger Fotoreporter und Sportfotograf unterwegs und baute ein eigenes Fotogeschäft in Zürich auf. Vor allem in den ersten zehn Jahren seiner fotografischen Tätigkeit erwies sich Scheiwiller als Schweizer Pionier der Sportfotografie: Er nutze seine Kenntnisse als aktiver Leichtathlet und Fussballer – er schaffte es immerhin bis ins Reserveteam des Grasshopper-Club Zürich – um seine Aufnahmen perfekt zu inszenieren.

Schweiwiller hatte als Fotograf in der Schweiz einen hervorragenden Ruf. Es wird erzählt, dass Sportredaktionen ihren Fotografen den Auftrag gaben, bei Sportanlässen darauf zu achten, wo Schweiwiller stand. Sie sollten sich dann bei ihm in der Nähe positionieren, damit ihnen ähnlich gute Bilder gelängen. Wechselte Schweiwiller seine Position an eine andere Stelle, so habe ihn oft ein kleiner Tross an Fotografen verfolgt.

Das Fotoarchiv Walter Schweiwiller umfasst auch eine angekaufte Sammlung von Glasplattennegativen, die vom Fotografen Sepp Schmid (geb. 1896) oder aus dessen Sammlung stammen. Damit erstreckt sich der Zeitraum des Fotoarchivs Scheiwiller von ca. 1900 bis ca. 1980. Der Ankauf dieses bedeutenden Fotoarchivs inklusive der Bildrechte ist dem Sportmuseum Schweiz nur möglich, weil der Freundeverein des Sportmuseum Schweiz einen finanziellen Beitrag leistete.